Künstliche Intelligenz in Deutschland – Forschung, Start-ups und Unternehmen im Überblick

Künstliche Intelligenz in Deutschland
Deutschland – eine aufstrebende KI-Nation in Europa | Foto: © Patrick P.Palej | adobe stock

Künstliche Intelligenz (KI) ist für Deutschland weit mehr als ein technisches Schlagwort. Sie ist ein entscheidender Baustein für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, den gesellschaftlichen Fortschritt und die digitale Souveränität Europas. In allen Regionen des Landes investieren Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Start-ups in die Entwicklung und Anwendung von KI-Technologien. Von Industrie 4.0 über medizinische Diagnostik bis hin zu Smart Cities – die Potenziale sind riesig.

Besonders bemerkenswert ist, dass jedes der 16 Bundesländer ein eigenes Profil entwickelt hat. Während in Baden-Württemberg das Cyber Valley die internationale Elite der KI-Forschung anzieht, wächst in Bayern ein Ökosystem aus Start-ups und Konzernen mit globaler Strahlkraft. Berlin punktet mit seiner dynamischen Gründerszene, Hamburg nutzt seine Stärke in Hafen und Medien, und im Saarland zeigt sich, wie selbst ein kleines Land durch Spitzenforschung weltweite Sichtbarkeit erreichen kann.

Deutschland will nicht nur technologische Innovationen hervorbringen, sondern diese auch in einem ethisch verantwortungsvollen Rahmen einsetzen. Die Nationale KI-Strategie der Bundesregierung bildet dabei das Fundament, ergänzt durch milliardenschwere Investitionsprogramme der Länder.

Baden-Württemberg – Cyber Valley, Industrie 4.0 und Robotik

Baden-Württemberg gilt europaweit als einer der leistungsfähigsten Standorte für Künstliche Intelligenz. Herzstück der regionalen Landschaft ist das Cyber Valley, ein Forschungsverbund in Tübingen und Stuttgart, in dem Universitäten, das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, die Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie Unternehmen wie Bosch, Amazon und Mercedes-Benz zusammenarbeiten. Ziel ist die Verbindung von Grundlagenforschung und industrieller Anwendung.

Das Land profitiert stark von seiner industriellen Basis. Mit Daimler, Porsche, Bosch und zahlreichen Zulieferern ist die Region prädestiniert, KI in der Automobilbranche einzusetzen. Autonomes Fahren, intelligente Produktionslinien und smarte Assistenzsysteme sind zentrale Einsatzfelder. Gleichzeitig spielt der Maschinenbau eine entscheidende Rolle: Unternehmen wie Trumpf oder mittelständische Zulieferer integrieren KI in Fertigungsprozesse.

Auch die Forschungslandschaft ist breit aufgestellt. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) forscht an Robotik, Data Science und KI-gestützter Simulation. In Stuttgart arbeiten Forschungsgruppen zu Computer Vision, während das Fraunhofer-Institut IPA KI für Produktionstechnik entwickelt.

Die Start-up-Szene wächst kontinuierlich. DeepScenario etwa entwickelt Systeme, die Verkehrsdaten für Simulationen nutzen, während Things Thinking auf semantische Sprachverarbeitung setzt. Förderprogramme des Landes wie der „KI-Innovationspark Baden-Württemberg“ sollen dafür sorgen, dass Spin-offs aus Forschung und Industrie noch schneller wachsen können.

Die Perspektive ist klar: Baden-Württemberg will seine Rolle als europäisches Zentrum für KI und Robotik festigen und die Brücke zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung weiter ausbauen.

Bayern – München und die Hightech-Agenda

Bayern verfolgt eine ehrgeizige Digitalstrategie, die unter dem Titel Hightech Agenda Bayern firmiert. Milliardeninvestitionen in Forschung und Infrastruktur machen das Land zu einem der dynamischsten KI-Standorte Europas.

München ist dabei das Herzstück. Die Technische Universität München (TUM) und die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) gehören zu den weltweit führenden Einrichtungen in Informatik, Robotik und Data Science. Das Munich Center for Machine Learning (MCML) ist ein nationales Kompetenzzentrum, das eng mit internationalen Partnern kooperiert.

Die industrielle Basis ist ebenfalls außergewöhnlich stark. BMW forscht an autonomen Fahrsystemen, Siemens nutzt KI für Industrie 4.0, und die Allianz setzt KI im Finanzwesen ein. Daneben investieren auch viele mittelständische Unternehmen in KI-basierte Produktionsoptimierung und Qualitätskontrolle.

Die Start-up-Szene ist eine der aktivsten in Europa. Unternehmen wie Celonis (Process Mining, inzwischen Unicorn), Konux (KI-gestützte Bahnüberwachung), Luminovo (Elektronikindustrie) oder Blickfeld (LiDAR-Sensoren) zeigen, wie vielfältig die Anwendungen sind.

Auch außerhalb Münchens spielt KI eine Rolle: In Nürnberg und Erlangen entstehen Lösungen für Medizintechnik, Automatisierung und Energie. Das „Bavarian AI Network“ verknüpft die Akteure im ganzen Land.

Bayern positioniert sich damit nicht nur als deutsche, sondern als europäische KI-Metropole.

Berlin – Hauptstadt der KI-Gründungen

Berlin ist die Gründerhauptstadt Deutschlands – und das spiegelt sich auch in der KI-Szene wider. Jedes Jahr entstehen hier zahlreiche neue Start-ups, die von Sprachmodellen über E-Commerce bis hin zu Medizintechnik reichen.

Die Forschungsbasis ist ebenfalls stark. Mit dem Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD) bündelt die Stadt Exzellenzforschung in maschinellem Lernen und Big Data. Ergänzt wird dies durch die Humboldt-Universität, die TU Berlin und das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme (FOKUS).

Start-ups wie Merantix (KI-Inkubator), Ada Health (digitale Gesundheit), Nyris (Bilderkennung) und Kensho Technologies (FinTech) prägen die Szene. Auch Signavio, das von SAP übernommen wurde, hat seine Wurzeln in Berlin.

Ein entscheidender Vorteil ist die internationale Strahlkraft. Berlin zieht Talente, Investoren und Unternehmen aus aller Welt an. Die kulturelle Vielfalt und vergleichsweise günstige Lebenshaltungskosten verstärken diesen Effekt.

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Initiativen wie AI Berlin und Berlin Partner vernetzen Forschung, Start-ups und Industrie. Damit positioniert sich Berlin nicht nur als nationale, sondern auch als europäische Drehscheibe für KI.

Brandenburg – Energie, Medien und Mobilität

Brandenburg nutzt seine Nähe zu Berlin, baut aber gleichzeitig ein eigenes Profil auf.

Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam ist eine der wichtigsten Einrichtungen für IT-Systemarchitekturen, KI-Sicherheit und Big Data. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) konzentriert sich auf Anwendungen in Energie, Industrie 4.0 und Mobilität.

In der Industrie spielt die Tesla-Gigafactory in Grünheide eine zentrale Rolle. Mit KI-gestützter Produktion und autonomer Mobilität setzt sie neue Maßstäbe und zieht Zulieferer und Forschungspartner in die Region.

Die Kreativwirtschaft ist ebenfalls stark. Mit Volucap hat Brandenburg ein Pionierunternehmen im Bereich Volumetric Video, das KI nutzt, um real gefilmte Menschen in 3D-Modelle umzuwandeln. Start-ups wie Hereon AI oder Energy Machines Brandenburg arbeiten an Lösungen für die Energiewende.

Mit dem MediaTech Hub Potsdam verfügt das Land über einen von zwölf bundesweiten Digital Hubs mit Schwerpunkt Medien. Hier entstehen KI-Anwendungen für Filmproduktion, Content-Analyse und digitale Plattformen.

Brandenburg zeigt damit, wie sich Tradition und Zukunft verbinden: von erneuerbarer Energie über Mobilität bis hin zu Medien.

Bremen – Maritime Robotik und Raumfahrt

Bremen mag klein sein, ist aber international sichtbar, wenn es um Robotik, Raumfahrt und maritime Anwendungen geht.

Das DFKI Robotics Innovation Center ist ein Leuchtturmprojekt. Hier entstehen autonome Roboter für extreme Umgebungen – von Raumfahrtmissionen über Tiefseeoperationen bis hin zu industriellen Inspektionen. Airbus Defence and Space nutzt KI in Bremen für die Fertigung von Raumfahrttechnologien, in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

Die Start-up-Szene ist eng mit dieser Forschung verknüpft. Ubica Robotics entwickelt autonome Logistikroboter, die sich in Lagerhallen und Supermärkten selbstständig bewegen können. PlanBlue erstellt mithilfe von KI und Unterwasserscannern hochauflösende Karten des Meeresbodens, während MARISCO KI-Systeme für maritime Sicherheit entwickelt.

Auch die Hafenstadt Bremerhaven setzt auf KI. Containerlogistik und Fischereiwirtschaft nutzen intelligente Systeme, um Abläufe effizienter und nachhaltiger zu gestalten.

Bremen beweist, dass auch kleinere Standorte durch Spezialisierung und internationale Kooperation eine führende Rolle in der KI-Landschaft einnehmen können.

Hamburg – Hafen, Medien und Luftfahrt

Hamburg ist die Welthafenstadt Deutschlands – und KI spielt eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung der Logistik. Mit dem Projekt smartPORT logistics wird der Hafen zu einem der modernsten der Welt. Verkehrsströme, Containerbewegungen und Schiffsanläufe werden durch KI-gestützte Systeme optimiert.

Die Forschungsbasis ist breit: Die Universität Hamburg arbeitet an Sprachverarbeitung, maschinellem Lernen und KI-Ethik, während die Technische Universität Hamburg (TUHH) auf Robotik und Mobilität spezialisiert ist.

Die Start-up-Szene ist vielfältig. Aiconix entwickelt KI für Medienunternehmen, etwa automatische Untertitelung und Übersetzungen. Synergeticon arbeitet eng mit Airbus an KI-gestützten Prozessen in der Luftfahrtfertigung. Breeze Technologies gilt als Pionier in der Luftqualitätsanalyse mit KI.

Neben Hafen und Medien ist auch die Luftfahrtindustrie entscheidend. Airbus und zahlreiche Zulieferer integrieren KI in Fertigung, Wartung und Qualitätskontrolle.

Das Netzwerk AI.HAMBURG unterstützt die Vernetzung und Weiterbildung und stärkt die internationale Sichtbarkeit des Standorts.

Hessen – Forschung in Darmstadt, Finanzen in Frankfurt

Hessen ist ein Land mit zwei KI-Schwerpunkten: Forschung in Darmstadt und Finanzwirtschaft in Frankfurt.

Die Technische Universität Darmstadt (TU Darmstadt) zählt zu den weltweit führenden Einrichtungen in maschinellem Lernen, IT-Sicherheit und Sprachverarbeitung. Das Fraunhofer IGD entwickelt KI-Lösungen für Visualisierung und Industrie 4.0. Mit hessian.AI hat das Land ein Netzwerk geschaffen, das 13 Hochschulen vereint.

Frankfurt ist das Finanzzentrum Deutschlands. Banken und Versicherungen setzen KI für Risikomanagement, Betrugserkennung und automatisierten Kundenservice ein. Start-ups wie Candis automatisieren Buchhaltungsprozesse, während Stryze KI für den E-Commerce nutzt.

Mit Wingcopter in Weiterstadt hat Hessen ein international bekanntes Unternehmen für Lieferdrohnen, die mithilfe von KI gesteuert werden. Energy Robotics entwickelt autonome Inspektionsroboter, die in Industrieanlagen eingesetzt werden.

Diese Kombination aus Finanzmetropole und Forschungszentrum macht Hessen zu einem der vielseitigsten KI-Standorte in Deutschland.

Mecklenburg-Vorpommern – Medizintechnik, Bioinformatik und maritime KI

Mecklenburg-Vorpommern ist eines der kleineren Bundesländer, bringt aber in der medizinischen Forschung und Meereswissenschaft bemerkenswerte Stärken ein.

Die Universität Rostock zählt zu den führenden Einrichtungen in Norddeutschland, wenn es um die Entwicklung von KI-Anwendungen für die Medizin geht. Projekte beschäftigen sich mit der Analyse medizinischer Bilddaten, der Unterstützung bei chirurgischen Eingriffen und der Entwicklung von Diagnosesystemen für Telemedizin. In Greifswald wiederum liegt der Fokus auf Bioinformatik und Genomdatenanalyse – ein Bereich, in dem KI neue Erkenntnisse über Krankheiten und Behandlungsmethoden ermöglicht.

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Neben der Medizin ist die maritime Forschung stark vertreten. In Rostock und Warnemünde arbeiten Wissenschaftler an KI-gestützten Systemen für Fischerei, Schiffsverkehr und Meeresökologie. Ziel ist es, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die sowohl ökonomisch als auch ökologisch tragfähig sind.

Start-ups entstehen vor allem im Umfeld der Hochschulen. Junge Unternehmen arbeiten an Telemedizin-Plattformen, KI-gestützten Diagnose-Tools und an Anwendungen, die die nachhaltige Nutzung maritimer Ressourcen fördern. Kooperationen mit Forschungseinrichtungen sorgen dafür, dass Wissen schnell in die Praxis überführt wird.

Industrieunternehmen wie die maritime Zulieferbranche und Medizintechnikfirmen nutzen KI zunehmend, um Prozesse zu automatisieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Förderprogramme des Landes zielen darauf ab, die Ansiedlung weiterer Digitalunternehmen voranzutreiben.

Mecklenburg-Vorpommern positioniert sich damit als Schnittstelle zwischen medizinischer Exzellenz, nachhaltiger Fischerei und digitaler Gesundheitswirtschaft.

Niedersachsen – Automobil, Landwirtschaft und Luftfahrt

Niedersachsen vereint drei Industriezweige, die durch KI massiv verändert werden: Automobil, Landwirtschaft und Luftfahrt.

In Wolfsburg sitzt mit Volkswagen einer der größten Automobilkonzerne der Welt. VW investiert stark in autonomes Fahren, smarte Produktionslinien und datengetriebene Mobilitätskonzepte. KI wird eingesetzt, um Fertigungsprozesse effizienter zu machen, Fahrzeugsoftware zu verbessern und Verkehrssimulationen zu optimieren.

Die Landwirtschaft ist ein zweiter Schwerpunkt. In Hannover und Göttingen forschen Universitäten an autonomen Landmaschinen, Präzisionslandwirtschaft und nachhaltiger Bodennutzung. Start-ups wie Agrando oder AutoAgri entwickeln Systeme, die mithilfe von KI die Bewirtschaftung von Feldern effizienter und ressourcenschonender gestalten.

Auch die Luftfahrt ist stark vertreten. In Braunschweig arbeiten Forschungsinstitute an KI-gestützten Assistenzsystemen für Flugzeuge, autonomer Navigation und Sicherheitslösungen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt hier mehrere Einrichtungen, die eng mit der Industrie kooperieren.

Der Mittelstand nutzt KI zunehmend für Logistik, Maschinenbau und Energiemanagement. Cluster-Initiativen wie das „Niedersachsen.digital“-Programm fördern die digitale Transformation im ganzen Land.

Mit dieser Kombination aus Automobil, Landwirtschaft und Luftfahrt ist Niedersachsen ein Paradebeispiel für ein Bundesland, das auf industrielle Vielfalt und praxisnahe KI-Anwendungen setzt.

Nordrhein-Westfalen – Industrie, Energie und Telekommunikation

Nordrhein-Westfalen (NRW) ist das bevölkerungsreichste Bundesland und eines der wichtigsten Industriezentren Europas. Hier treffen Stahl, Chemie, Energie, Telekommunikation und digitale Wirtschaft auf eine breit aufgestellte Forschungslandschaft.

Die RWTH Aachen ist europaweit führend in Produktionstechnologien, Automatisierung und Smart Manufacturing. In Dortmund konzentriert sich die Forschung auf Logistik und Industrie 4.0, während Köln mit seiner Medien- und Digitalwirtschaft KI für Content-Analysen und digitale Plattformen nutzt.

Unternehmen wie RWE und E.ON setzen KI ein, um Stromnetze zu überwachen, erneuerbare Energien einzubinden und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Telekommunikationsriesen wie Vodafone und die Deutsche Telekom (teils mit NRW-Schwerpunkt) arbeiten an Netzoptimierung, Cybersecurity und 5G-Infrastruktur.

Die Start-up-Szene ist lebendig. In Köln und Düsseldorf entstehen zahlreiche FinTechs, während Dortmund mit AI Valley einen Schwerpunkt für Gründer gesetzt hat. Beispiele sind Parlamind (KI-gestützter Kundenservice) oder Statice (Datenschutz und synthetische Daten).

Cluster-Initiativen wie der KI.NRW Hub oder der Digital Hub Cologne sorgen dafür, dass Forschung, Mittelstand und Start-ups eng vernetzt sind.

NRW profitiert von seiner industriellen Vielfalt und der hohen Dichte an Hochschulen und Unternehmen. Mit der richtigen Förderung könnte das Land zur Speerspitze für industrielle KI-Anwendungen in Europa werden.

Rheinland-Pfalz – DFKI und Mittelstand

Rheinland-Pfalz ist eng mit der Informatikforschung in Kaiserslautern verbunden. Hier befindet sich ein Standort des DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz), das seit Jahrzehnten internationale Maßstäbe setzt. Forschungsschwerpunkte sind Sprachverarbeitung, Robotik, Industrie 4.0 und autonomes Fahren.

Die Technische Universität Kaiserslautern ergänzt die Region mit Informatik und Ingenieurwissenschaften. Durch die Nähe zu den Forschungsinstituten sind viele Spin-offs entstanden, die heute in Bereichen wie digitale Sicherheitslösungen, Prozessoptimierung und Automatisierung arbeiten.

Die Wirtschaft ist durch mittelständische Unternehmen geprägt, die zunehmend auf KI setzen. Besonders in der Chemieindustrie, im Maschinenbau und in der Produktionstechnologie wird KI zur Effizienzsteigerung eingesetzt.

Cluster-Initiativen wie „Innovative Hochschule Kaiserslautern“ fördern den Technologietransfer. Mit Fraunhofer-Instituten und Hochschulkooperationen baut Rheinland-Pfalz seine Sichtbarkeit weiter aus.

Die Besonderheit des Landes liegt darin, dass es zeigt, wie Forschung, Mittelstand und Start-ups Hand in Hand arbeiten können, um Innovationen in die Praxis zu bringen.

Saarland – Informatik, Sprachverarbeitung und Cybersecurity

Das Saarland ist das kleinste Flächenland, aber einer der bedeutendsten Standorte für Informatik in Europa.

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Die Universität des Saarlandes hat seit den 1980er-Jahren ein international sichtbares Profil in Informatik aufgebaut. Ergänzt wird sie durch das DFKI, das CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit und mehrere Max-Planck-Institute. Forschungsschwerpunkte liegen auf Sprachverarbeitung, Computer Vision, Wissensmanagement und Cybersicherheit.

Die Start-up-Szene ist stark mit der Forschung verknüpft. Beispiele sind Semanux, das barrierefreie Gaming-Anwendungen entwickelt, oder EyeV, das Assistenzsysteme für Sehbehinderte anbietet. Viele weitere Spin-offs aus dem DFKI und CISPA arbeiten an Sprachassistenzsystemen, Big Data und IT-Sicherheit.

Die Industrie nutzt KI für Produktion, Automatisierung und Logistik. Mittelständler profitieren von der Nähe zur Forschung, die für qualifizierte Fachkräfte sorgt.

Programme wie der KI-Champion Saarland fördern gezielt Gründerinnen und Gründer.

Mit dieser Konzentration an Spitzenforschung ist Saarbrücken international so sichtbar wie kaum eine andere deutsche Stadt dieser Größe – ein Paradebeispiel dafür, wie kleine Regionen durch Spezialisierung globale Relevanz erreichen können.

Sachsen – Mikroelektronik, Halbleiter und Smart Cities

Sachsen hat sich in den letzten Jahren zu einem Zentrum für Mikroelektronik und Hightech-Produktion entwickelt.

In Dresden sitzt eine der größten europäischen Halbleiterindustrien. Unternehmen wie Globalfoundries und Infineon setzen KI für Prozesssteuerung und Qualitätskontrolle ein. Die TU Dresden zählt international zu den Top-Universitäten für Informatik und Data Science.

Leipzig setzt auf Smart City- und Energiewende-Projekte. Hier werden KI-Anwendungen für urbane Mobilität, nachhaltige Energieversorgung und digitale Verwaltung entwickelt. Chemnitz verbindet Ingenieurwissenschaften mit KI, etwa in der Produktionstechnik und Robotik.

Die Start-up-Szene konzentriert sich auf Elektronik, Halbleiter und industrielle Anwendungen. Förderprogramme wie Smart Systems Hub Dresden stärken die Gründerlandschaft.

Sachsen ist damit ein zentraler Baustein für die digitale und industrielle Souveränität Europas.

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Sachsen-Anhalt – Neuroinformatik und industrielle Anwendungen

Sachsen-Anhalt bringt seine Stärken in Medizintechnik, Neuroinformatik und Industrie ein.

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg forscht intensiv an bildgebenden Verfahren, Neuroinformatik und Simulationen des menschlichen Gehirns. Diese Forschung bildet die Grundlage für neue Anwendungen in der Medizin und in der Mensch-Maschine-Interaktion.

Industrieunternehmen nutzen KI in der Produktion, Automatisierung und Medizintechnik. Besonders in der Chemie- und Maschinenbauindustrie wird KI eingesetzt, um Prozesse effizienter zu gestalten.

Cluster wie das IT-Forum Sachsen-Anhalt fördern die Vernetzung von Forschung und Mittelstand.

Sachsen-Anhalt zeigt, wie gezielte Spezialisierung in Nischenfeldern dazu beitragen kann, die Rolle kleinerer Bundesländer im Bereich KI zu stärken.

Schleswig-Holstein – Medizintechnik, Verwaltung und Meer

Schleswig-Holstein konzentriert sich auf Gesundheit, Verwaltung und maritime Anwendungen.

Die Universität zu Lübeck ist bekannt für ihre Medizintechnik und arbeitet an KI-gestützten Diagnosesystemen und chirurgischen Assistenzsystemen. In Kiel liegt der Schwerpunkt auf Meereswissenschaften, etwa der Analyse von Ökosystemen mit KI.

Die Verwaltung des Landes erprobt KI für digitale Bürgerdienste. Projekte zielen darauf ab, Abläufe effizienter und bürgerfreundlicher zu gestalten.

Start-ups arbeiten an Telemedizin, digitaler Diagnostik und maritimen Technologien. Förderprogramme unterstützen die Ansiedlung neuer Unternehmen.

Mit der Kombination aus Gesundheitsforschung, Verwaltung und Meer hat Schleswig-Holstein ein klares Profil entwickelt.

Thüringen – Optik, Photonik und Robotik

Thüringen ist stark durch die Optik- und Photonikindustrie geprägt.

In Jena sitzt mit Carl Zeiss eines der weltweit führenden Unternehmen für Medizintechnik und Optik. KI wird dort eingesetzt, um Bilddaten zu verarbeiten und Diagnosen zu verbessern.

Die TU Ilmenau forscht zu Robotik, Ingenieurwissenschaften und Künstlicher Intelligenz in der Produktion. Projekte reichen von autonomen Systemen bis hin zu intelligenten Fertigungsstraßen.

Start-ups im Umfeld entwickeln KI-Lösungen für Bildanalyse, Diagnostik und Automatisierung.

Mit der Kombination aus Hightech-Industrie und Forschung ist Thüringen ein Beispiel dafür, wie spezialisierte Branchen KI gezielt für Innovation nutzen.

Fazit – Deutschland als KI-Mosaik

Deutschland ist kein homogener KI-Standort, sondern ein Mosaik aus 16 Regionen, die jeweils eigene Stärken einbringen. Baden-Württemberg und Bayern sind europäische Spitzenregionen, Berlin ist ein Magnet für Start-ups, Hamburg und Bremen nutzen ihre maritime Tradition, Hessen verbindet Forschung mit Finanzwirtschaft, das Saarland ist internationaler Forschungs-Hotspot, und in Sachsen entstehen Schlüsseltechnologien für Mikroelektronik.

Gemeinsam ergibt das ein starkes Fundament, um Deutschland als führende KI-Nation in Europa zu etablieren – vorausgesetzt, es gelingt, Fachkräfte zu sichern, Ethik und Datenschutz konsequent mitzudenken und den Transfer von Forschung in die Praxis weiter zu beschleunigen.

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Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater. Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).